Freitag Abend am Bahnhof

Das kalte Winterwetter
überrascht uns tatenlose Zuschauer und Statisten
mit endlosen Szenarien der weißen Kulissen,
schneebedeckten Hecken,
die vorher eher eintönig grün waren.

Kalter Atem bildet rätselhafte Formen
und die äußeren Konturen verschwimmen
vor dem Hintergrund der stahlgrauen und rostigen
Gleise aus Stahl und voluminösem Beton.
Eilige Blicke der wartenden Personen,
schattenhaft dasitzend oder stehend,
und ebenfalls anwesend.

Augenblicke verfolgen herabfallende Schneeflocken,
tanzende Gesellen dieses bühnengleichen Stückes,
hinter dieser grauen Überdachung grenzenden Winterwelt,
mitsamt allem majestätischem Gestöber,
den die hier versammelten Lichter dieser Bahnhofswelt beschwören.

Dort,
ein verschneites Eiland und ein schwarzer Himmel,
der die Wolken erleuchten läßt,
dort,
ein Hintergrundbeben des brüllenden Lebens,
der erwachenden Besinnung
und der Erkenntnis,
der verspielten Beobachtung gleich.

Dort,
bis der herannahende Zug einfährt,
erst am Horizont mit ungleicher Silhouette
und dreigeteiltem Signallicht,
sich wie ein Ungetüm,
einen Pfad bahnend und stampfend,
bis alle eingestiegen sind,
bis alle Bahnhofsmenschen eingestiegen sind,
mit mir.

(1998 – Beobachtungen, Empfindungen und Gedanken während ich abends auf einen Zug wartete am Oldenburger Haupt-Bahnhof)

Corona und die Deutschen: Einen Dank von allen, die nicht sterben mussten.

Ich möchte mich an dieser Stelle im Namen derer bedanken, die nicht aufgrund eines schweren Verlaufes durch Corona sterben mussten.

Das könnte ich selbst gewesen sein, eine Dame, der man auf der Straße begegnet, der Postbote, die Kassiererin usw., aber auch und sogar sog. ‚Freidenker‘. Sie alle leben noch. Weil es viele Menschen gab, die der Vernunft Vorzug gegeben haben. Die sich an die Vorgaben und Regelungen gehalten haben, insbesondere, sofern sie die Details und das Fachwissen überhaupt nicht besaßen. Denn das ist besonders bemerkenswert, weil sie schlicht vertrauten.
Da ich einst Biologie mit Schwerpunkt Genetik studiert habe, kann ich euch allen sagen, dass es eine gute Entscheidung war, in diesem Zusammenhang zu vertrauen. Aber auch ohne dieses Fachwissen, hätte man sich einen Eindruck verschaffen können, was hätte geschehen können, indem man sich über eine ähnlich geartete Pandemie informiert hätte, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewütet hatte: Die Spanische Grippe. Ein sehr ähnlicher Verlauf und ähnlicher Erreger, dessen Verbreitung und Mechanismen durchaus vergleichbar waren. Seinerzeit starben Millionen Menschen weltweit.
Dass wir Menschen es geschafft haben, diese Pandemie bisher einzugrenzen, dieser Verdienst gehört euch.
In gewisser Weise können wir uns bei uns selbst bedanken. Und auch die Freidenker, die bisher mit einem blauen Auge davon gekommen sind, obwohl ihr innerstes Interesse Ignoranz, Angst, Misstrauen, Unwissenheit, Verwirrtheit und vielleicht sogar Eigennutz war und in gewisser Weise Nutznießer derer sind, die standgehalten und Disziplin gezeigt haben, können sich bei euch bedanken.
Und auch die Egoisten, die nun wieder schön beruhigt in den Urlaub fliegen können und vielleicht mit dem Bauch in der Sonne liegen, während andere nicht wissen, wie sie ihren Unterhalt bestreiten sollen. Auch sie leben noch und auch sie können sich deshalb bei euch (bzw. uns) allen bedanken, die standgehalten haben. Die Aufrichtigen und Rechtschaffenden. Ihr seid das Größte, ob nun bewußt oder unbewußt.
Ihr verkörpert den Geist der Menschenseele.

Die Evolution und die ‚Soft-Skills‘ des menschlichen Geistes

Zu den Soft-Skills des menschlichen Geistes fallen mir folgende Eigenschaften ein: Vertrauen, Wünsche, Liebe, Hoffnung, Mut usw. usf. Wenn man das vor dem rein materialistischen Weltbild aus betrachtet, also Evolution und Atomismus. Wir sind aus den Elementen der Erde entstanden und bestehen daraus.
So muss man doch schlussfolgern, dass diese Eigenschaften enthalten sein mussten bei unserer Entwicklung. Sie wurden uns quasi ‚mit auf dem Weg gegeben‘. Sie sind inhärent.
Es ist doch ein oft zitierter Begriff, den Materialisten gerne aufführen, dass der Glaube an etwas Höherem, sagen wir, aber nur als Beispiel, Vorstellung oder Glaube, das das Bewußtsein nicht allein vom Gehirn generiert wird, sondern fundamentaler Natur ist oder sein könnte, einzig ‚Wunschdenken‘ sei oder der Hoffnung entspringe. Vielleicht der Hoffnung auf eine Existenz nach dem körperlichen Ableben.
In diesem Sinne wird ‚Hoffnung‘ ja eindeutig als Schwäche betrachtet, insofern, dass der- oder diejenige, die an so etwas glaube, eben der Realität nicht ins Auge sehen mag, die darin derart ‚wirklich sei‘, dass es eben eine Existenz nach dem Ableben nicht gäbe. Wer also dies nicht akzeptieren wolle, der hege die Hoffnung, dass es nicht so sei, was wiederum deshalb als eine Art Schwäche zu interpretieren sei. Weil nur diejenigen, die ‚es verstanden haben‘ die wahre Wahrheit und Wirklichkeit oder dergleichen verstanden hätten. Nur der- oder diejenige, die ‚der Wahrheit‘ ins Auge blicke, sei eben kein Träumer, der sich von der Hoffnung nährt.
Zumindest aber kann man sagen, dass bei beinharten Materialisten die Hoffnung ‚irgendein Firlefanz‘ sei, aber nicht das, was der Wirklichkeit entspräche. Eben Wunschdenken, Glaube und dergleichen. Für mich klingt es dann so, als ob das eine Art Schwäche sei oder als solches angesehen werde.
Nun zurück zu meinen anfänglichen Aspekten. Wenn die Hoffnung, der Wunsch, der Glaube usw. völlig nutzlos, sinnlos oder gar ohne jegliche Belang wären, wieso war es in der Ur-Elementen, woraus wir entstanden sind und welches somit im Zuge der Evolution zu dem geführt hat, was wir sind und was uns ausmacht, enthalten, so dass dies ‚in unserem Körper‘ (aus Sicht der reinsten Materialisten) ‚angelegt wurde‘? Das ist schon verrückt und in diese Richtung recht absurd.
Es beinhaltet darüber hinaus die Vorstellung, dass der moderne Mensch, angefüllt mit modernstem Wissen über die ‚Natur der Wirklichkeit‘, sofern es sowas überhaupt gibt, in der Lage sei, sich vom Verständnis über die Logik der Natur und deren Mechanismen, inklusive der Evolution und sämtlichen Aspekten der Werdung des Lebens, aber nicht beschränkt darauf, zu erheben, zu beurteilen und eine ‚bessere‘ und somit vernünftigere Position einzunehmen und die Natur verbessern zu wollen.
Oder man nimmt als Materialist die Position ein, dass diese Aspekte wie Hoffnung, Glaube, Mut usw. usf. reinste Zufallsprodukte bei der Werdung/Evolution des Bewußtseins (welches wissenschaftlich im Übrigen vollends ungeklärt ist) waren und demzufolge, weil man ja die Sinnlosigkeit, Nutzlosigkeit, Schwäche oder Vergeblichkeit dieser Aspekte hervorhebt, diese im eigentlichen Sinne sinnlos sind oder zumindest nicht gebraucht werden.
Dies führt natürlich zwangsläufig zum Transhumanismus, indem man diese Eigenschaften ’negieren‘ will. Die Ausmerzung der menschlichen Aspekte, bzw. dieser ‚Soft-Skills‘ des Menschen. Eben, weil sie aus dieser sehr perfiden und eigentlich absurden Perspektive ’sinn- und nutzlos und über sind‘. Welch absurde und perverse Situation. Der Mensch meint ’schlauer zu sein‘ als die Natur.
Überheblichkeit, Arroganz und Größenwahn kommen mir dabei in den Sinn.
Da ich es oben erwähnte, die ‚Evolution des Bewußtseins‘ könnte auch ein interessanter Aspekt sein, über den es sich nachzudenken lohnt.
Es ist doch markant, dass die Evolution, die insbesondere fundamental von denjenigen hervorgehoben wird, die sie nicht vollends verstanden haben, für alles möglich angeführt wird, bis hin zu menschlichen Verhaltensweisen. Wie oft habe ich schon Kommentare gelesen wie: ‚Das ist eben Natur‘, wenn es darum ging, dass beispielsweise eine Art ausgerottet wird, ein Tier gequält wird, oder gar, dass wir Menschen foltern, quälen und töten. In jedem Falle jedoch ist die Evolution als Prozess für die Entwicklung der Biologie anzusehen.
Doch, wie sieht die Sache für das Bewußtsein aus? Ist es einfach so aus dem Nichts im menschlichen Gehirn entstanden? Das ist doch markant, wenn man sich die Meinungen und Auffassungen vieler Materialisten betrachtet, die beispielsweise direkt oder indirekt Aussagen treffen, dass doch nur der Mensch ein Bewußtsein habe. Zumindest in der Form, wie es bei uns ist.
Ja, aber muss man nicht, gemäß der Evolution, eine schrittweise Entwicklung des Bewußtseins des Menschen annehmen? Kann man dementsprechend überhaupt sagen, dass unsere nächsten Verwandten vom Baume der Abstammung, überhaupt kein Bewußtsein besitzen?
Und wie schaut es mit der Abstufung aus, wie man es bei evolutionären Prozessen gewohnt ist? Gab es das beim Bewußtsein nicht?
Anders gefragt: Weche Ausdrucksform oder Aspekt des menschlichen Bewußtseins fehlt den Schimpansen? Sind es, vergleichbar mit den Genen, lediglich 2% Bewußtsein des Menschen, welches Ihnen fehlt?
Kann man vor diesem Hintergrund überhaupt von einer Korrelation zwischen Genetik/Evolution und Bewußtsein sprechen? Kann man demnach nicht sogar annehmen, dass es eine Korrelation überhaupt nicht gibt? Oder gar, dass das Bewußtsein oder dessen Entwicklung überhaupt nicht von der Evolution/Genetik abhängig ist? Gibt es Belege dafür? Inwiefern ’steckt das Bewußtsein in den Genen‘? Und falls man feststellt, dass es da kaum einen oder keinen Zusammenhang gibt, wie ist dann überhaupt die Entstehung des menschlichen Bewußtseins zu erklären?
Das sind doch, meines Erachtens und bewegte man sich auf diesem rein materialistischen Pfade, durchaus legitime und berechtigte Fragen!?
Doch, wie so oft, darauf gibt es wohl keine schlüssigen Antworten, geschweige denn, dass sich überhaupt mal jemand mit diesen legitimen Fragen beschäftigt hätte.
Warum? Weil wir es nicht wissen oder gar, uns vorstellen oder eingestehen können. Deshalb ist der Materialismus in sich inkonsistent, widerspricht sich selbst und kann aus sich heraus nicht zweifelsfrei, glasklar, folgerichtig und ohne Lücken hergeleitet werden. So gesehen ist es wahrscheinlich bloß eine weitere Ideologie, ein Weltbild oder Dogma, welches so gesehen sogar aus dieser Hoffnung heraus gebildet und erdacht wurde. Dass es eben so sei und nicht anders. Das ist absurd.

Fernsehen

Der blinde, fette Kasten erzählt von fernen Stätten,
die doch so nah herangekommen sind,
in die Globalität des eignen Heims,
wo die Eigentümer staunend glotzen.
Doch anschließend wird sich hingelegt,
und die Welt Welt gelassen,
denn all das sind nicht wir,
ist nicht die eigne Person.
Und die fette Glotze glotzt nicht mehr,
starrt in ein verdunkeltes Wohnzimmer,
denn es ist Nacht in der Welt.

(1998 – Realitäten in Persona oder auf einer virtuellen Bühne der Wiederholung)

Zitate: Charles Bukowski

Wir werden alle sterben, jeder von uns, was für ein Zirkus! Das alleine sollte uns dazu bringen, uns zu lieben, aber das tut es nicht. Wir werden terrorisiert von Kleinigkeiten, zerfressen von gar nichts.

Weg von der Menschheit zu sein, ist eine der wunderbarsten Erfüllungen.

Charles Bukowski (*1920 +1994), Dichter und Schriftsteller

Wie eine Zitrone und die Intuition zu mehr Reichtum führt

Die wundersamsten Ereignisse ereilen uns nicht im Offensichtlichen.
Die Intuition ist eine wertvolle Eigenschaft, die zu neuen Erkenntnissen führen kann und die uns folgt, auf Schritt und Tritt. Die Wahrnehmung dessen ist uns meist nicht bewusst und doch ein Teil von uns. Gerade in den Augenblicken der Unachtsamkeit ob der Dinge, die uns blenden, kann sie eine hilfreiche Führung der Dinge sein. Mitten in der Banalität, in der Oberflächlichkeit ist sie verborgen und überrascht uns eigentlich unbemerkt, aber sodann in aller Deutlichkeit, wenn wir unseren Fokus darauf richten.
Ich erwarb eine Zitrone. Es sollte keine unbedeutende, im Glanze ihrer selbst erscheinende Zitrone sein, die uns mit ihren oberflächlichen Schönheit blendet, denn dafür sind die meisten gemacht. In der Masse überschütten sie die Masse der Konsumenten mit einer äußeren Makellosigkeit und doch muss die Logik eingestehen, dass, wenn alle Kraft und Energie in die äußere Schale, in die Oberfläche, aufgewendet wird, so muss es an anderer Stelle einen Mangel geben, denn ungleich verteilt ist die Essenz dessen, was die Sonne, die einst für ihr Wachstum gesorgt hat, geschenkt hat. Es entsteht ein Ungleichgewicht.
In Zeiten der Oberflächlichkeit und vorallem der darauf ausgerichteten und geschulten Achtsamkeit, ist es ein seltenes Ereignis, der Intuition zu folgen.
Und so ließ ich mich in eher ungewohnter Weise zu einem hohen Grad von der Intuition treiben.
Die Aufgabe enthielt, eine einzelne Zitrone zu beschaffen. Ich wählte zunächst den Korb aus, der einzelne Zitronen enthielt, die nicht aus der Massenproduktion entstammten und somit in ihrer äußeren Erscheinung zu unterscheiden waren. Natürlich waren die Zitronen aus der Masse günstiger und in einem Netz zu einer Vielzahl hochgerechnet und wieder herunter gebrochen verführerisch günstig in der Anschaffung. Doch, was daraus gedanklich folgt, ist doch weniger, dass die Qualität dieser günstigen und in Masse entstandenen Zitronen in gleicher Weise verführt, wie ihr Preis. Gedanklich ist die Verführung, dass letzten Endes mehr Geld die Tasche füllt, mit dem ich mehr und glänzendere Dinge erwerben kann, die wiederum lediglich augenscheinlich zu einem Mehr im Leben führen sollen. Einem Mehr, das es nicht gibt und nur eine Illusion ist.
Und so wählte ich eine Zitrone aus, ohne meinen Fokus allein auf die Brillanz und rein auf die äußere Erscheinung zu richten. Zwar spielte dies bei meiner Wahl gewissermaßen auch eine Rolle, doch nicht die größte.
Ich griff und schaute und entschied mich für eine bestimmte, ohne genauer darüber nachzudenken. Ich hatte das Gefühl, dass genau diese Zitrone die richtige ist, nachdem einige Momente ohne Ratio und dessen Begleitung verflogen waren. Diese Zitrone hatte ich als schön empfunden. Zwar hatte sie einen Makel und diese Stelle war eine leichte Vernarbung an einer Stelle, die mir einzig auf das Wachstum zurück zu führen schien. Doch diese ‚Unschönheit‘ empfand ich nicht als Makel oder sonstwie einer Schlechtigkeit. Im Gegenteil, diese Zitrone erschien mir intuitiv richtig und auch oder trotzdem sehr schön. Ihre besondere Erscheinung erzählte eine Geschichte. Die Geschichte ihres Lebens, des Werdens und des Wachstums. Ich empfand, dass, allein weil ich sie gewählt hatte, diese Zitrone ein Teil meiner ist. Ich hatte sie gefunden und sie mich. Die Entscheidung war unser Verbund und es gab nichts, was mich hätte zweifeln lassen. Sie war wunderschön und das, was ich suchte. Da gab es nichts zu überlegen und demzufolge zu Zweifeln.
Später Zuhause, sollte sie für die Speise eingesetzt werden und meiner Frau fiel sofort auf, dass diese Zitrone, neben der kleinen Vernarbung, die ich bereits erwähnte. ebenfalls zwei kreuzförmig zueinander verlaufende kleine Risse hatte. Dies tat meiner Zuneigung dieser Zitrone keinen Abbruch, denn es war eben meine Zitrone, was sie unabwägbar und allein deshalb zu etwas Besonderem machte.
Ich musste meiner Frau versprechen, das nächste Mal bei meiner Wahl auf derartige Makel zu achten.
Sie wusste das zuvor beschriebene nicht. Dass genau diese Zitrone etwas Besonderes war, und sei es nur für mich aus den zuvor beschriebenen Gründen. Sie reagierte. Und, nach dem, was die Gewohnheit und die Augenscheinlichkeit und vielleicht sogar die Erfahrung gebietet, ist nur die Zitrone die beste von allen, die an der Oberfläche makellos ist. Eine derartige Zitrone muss, nach aller Logik, somit die beste sein und alles beinhalten, was eine makellose Zitrone eben verspricht, allein, weil sie keine Makel hat.
Wie, in aller Welt, sollte ich ihr meine Wahl und die oben beschriebenen Zusammenhänge erklären oder verständlich machen, ohne als Fantast, Träumer oder gar Spinner zu gelten? Wie macht man so etwas deutlich?
Ich weiß nicht, ob meine Zitrone diese kleinen Risse bereits bei meiner Wahl hatte, denn ich war ja meiner Intuition gefolgt. Zwar hatte ich sie mir bei meiner Wahl angeschaut und betrachtet, doch dies war mir nicht aufgefallen. Es wäre daher möglich, dass diese Zitrone diese kleinen Risse durch eine Quetschung in der Einkaufstasche erhalten hatte, was sie für mich nur noch wertvoller machte. Es war die Geschichte meiner Zitrone. Und, nachdem ich mich für genau diese Zitrone entschied (oder sie sich für mich?), gab es keinen Zweifel mehr und keine Möglichkeit mehr, mich von einem Gegenteil zu überzeugen, nämlich, dass sie nicht mehr die richtige für uns sein sollte. Jede logische Erklärung war aussichtslos ob meiner intuitiv gesetzten und gefühlt gefestigten Überzeugung.
Während wir diese Zitrone (trotz des zusätzlichen Makels) für die Speise verwendeten und in der Hälfte teilten, ergab es sich, dass diese Zitrone eine sehr starke Schale besaß, so dass diese kleinen Risse, wann und woher sie auch gekommen sein mögen, nicht bis ins Innere reichten und somit überhaupt keinen Einfluss darauf gehabt haben dürften auf die Zusammensetzung oder die Qualität dessen, was eine Zitrone im Inneren und letztlich für ihre Wirkung auf uns ausmacht.
Zwar war dies für meine Frau kein Argument, doch für mich ein weiteres Zeichen, dass diese Zitrone genau die richtige war und keine andere.

Das Gewand der Liebe

Die Sonne deiner Augen,
immerwährend,
ein Degen deines Geistes
spürbar in meinem Herzen.

Der Strom der Vereinigung
ist dein Lächeln,
der Beginn unseres Seins
magisch besetzt.

Schwellende Wogen
ausgiebiger Liebe
im schimmernden Spiel
der Ewigkeit.

Fortan,
der schäumenden Gunst
deines begehrenden Körpers nacheifernd,
liebestoll und besessen.

Meine verblassenden Worte
wie knarrendes Gehölz
im Hall des Vergangenen,
sie klingen: Ich liebe dich.

(1989 – Die poetische Beschreibung meiner Realität. In der Wirklichkeit jedoch eine Illusion.)

Zitate: Dr. Joseph Hyrtl

Hätte der Embryo im Mutterleibe Selbstbewußtsein und wüsste im Voraus, was beim Vorgang der Geburt mit ihm geschehen würde, müsste er diesen Vorgang zweifellos für seine absolute Vernichtung halten: Die ihn umschließenden Hüllen zerreißen, das Fruchtwasser, sein Lebenselement fließt fort; Die Nabelschnur, die ihn ernährt, wird zertrennt und überdies hat er, aller Lebensmöglichkeit beraubt, den erstickenden Sturz durch würgende Enge zu tun.
Ja, stünde der Embryo auf dem ‚Boden der Tatsachen‘, kein Zweifel, ein ‚Überleben der Geburt‘ müsste für ihn indiskutabel sein. Aber er weiß nicht, dass in ihm andere Organe für ein Leben in einer anderen Welt bereits vorsorglich angelegt sind: Lungen, um Luft zu atmen, Augen, um den Kosmos der Farben und Formen zu schauen; Mehr noch: Diese anscheinend hoffnungslose Vernichtung, der Geburtsakt, ist in Wahrheit der Weg in ein neues Leben. Insofern haben wir kein Recht, den Tod, der uns ebenfalls alles Leben zu rauben scheint, aus der lediglich irdisch-biologischen Perspektive zu beurteilen.


Dr. Joseph Hyrtl (*1810 +1894), Anatom